Die neue DIY Ästhetik

Die neue DIY Ästhetik

An einem sonnigen Nachmittag letztens war ich mit meinem Hund im Park spazieren und sah an einem Baum einen kleinen Zettel. Es war ein Flyer für einen Flohmarkt im Stadtteil, organisiert von den Anwohnern. Die Illustration darauf war eindeutig mithilfe von generativer KI erzeugt: Der Stil imitierte eine handgemalte Illustration, die Farben waren bunt und heiter, die Ästhetik generisch. Der Flyer löste in mir ein Unbehagen aus – und der Flohmarkt wurde mir prompt unsympathisch. Die gleichförmige, tausend mal gesehene KI-Illustrations-Ästhetik wirkte lieblos. Das KI-generierte Bild ließ keine Rückschlüsse auf die Leute zu, die hinter dem Flohmarkt stehen. Statt Nähe erzeugte es Anonymität.

Generative KI ist zum Goto-Werkzeug für Laien geworden, die Designaufgaben z.B. für Kommunikationszwecke (Flyer, Social Media) ausführen. Man verspricht sich schnellere und bessere Ergebnisse mit einem professionelleren Look. Die Ergebnisse sehen oft gleich aus.

Wie haben Laien früher Designaufgaben gelöst? Sie haben nach bestem Wissen und Gewissen etwas gestaltet - von Layout über Schrifttypen bis Bilder. Das Ergebnis war an den Maßstäben von “richtigem Design” gemessen oft “schlechtes Design” – man konnte sich darüber lustig machen – und doch hatte es einen großen Mehrwert im Vergleich zu den generischen KI-Ergebnissen: Es war authentisch. Gerade unprofessionell gestaltetes Kommunikationsmittel, kommunizieren – sie kommunizieren darüber wer man ist, dass man sich bemüht hat, sie zeigen die eigene Kreativität.

Wo früher DIY daher kam mit einer gesunden Punk-Attitude und einem großen Maß an Authentizität, so erzeugt heute der heute allzuschnelle Griff zu generischen KI-Tools zu einer fließbandartigen Gleichförmigkeit.

An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass die Nutzung von generativer KI nicht zwangsläufig zu gleichförmiger KI-Ästhetik führen muss! Mit den richtigen Tools und Workflows kann man visuell spannende und durchaus eigene Ästhetiken erzielen. In meiner Forschung habe ich mich viel mit der Frage beschäftigt, welche Arten von kreativer Kontrolle sich Designerinnen und Künstlerinnen in Interaktion mit generativen KI Systemen wünschen. Ich frage mich: Wie zufrieden sind Laien eigentlich selber mit den Ergebnissen der generischen KI-Tools? Wünschen sie sich überhaupt mehr kreative Kontrolle und Einfluss auf das Ergebnis?

Und: Wird es vielleicht bald KI-Tools geben, die bewusst die good old DIY Ästhetik als Stil anbieten? Trainingsdaten dafür wären ja reichlich vorhanden :-)

Eine Flohmarkt Flyer mit KI-Illustration