“Ich & KI – ein Zine-Workshop. Kreativ nachdenken über Identität, Daten und das, was uns einzigartig macht”
Im Mai habe ich zusammen mit Kristin Fritsch einen Workshop im Rahmen des MINTA* Hackdays 2026 von Jugend Hackt gegeben. Er fand in Freiberg (Sachsen) im PiHaus statt, einem prächtigen Gebäude, was an ein Rathaus erinnert, aber coolerweise als Jugendzentrum genutzt wird.
Der MINTA* Hackday ist ein spezielles Format für Mädchen, inter*, nicht-binäre, transmännliche, transweibliche und agender Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren in denen es um “Hacking” im weitesten Sinne geht, also gemeinsam coden und tüfteln, sich ausprobieren, neugierig sein und unter den Deckel der Technologie schauen. JugendHackt ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland.
Unser Ziel war es, einen Workshop zum Thema KI anzubieten, in dem die Jugendlichen sich kreativ ausleben und gleichzeitig KI kritisch reflektieren konnten.
In der Konzeptionsphase wurde einmal mehr deutlich, was die Problematik mit generativer KI ist: Die Modelle und Services entziehen sich dem Gestus des Hackings: Also dem Aufmachen, reinschauen, umfunktionieren. Zu groß, zu intransparent. Daher entschieden wir uns dafür, im Workshop KI nicht direkt zu benutzen, sondern 1) in Form eines Rollenspiels gemeinsam über die Technologie zu reflektieren und 2) ein Zine zu basteln. Zines sind ein beliebtes Format für eine individuelle kritische Auseinandersetzung mit einem Thema.

Das Rollenspiel
In dem Rollenspiel gibt es 4 Akteure:
- die KI-Firma
- die Nutzer*in
- eine Bloggerin, die ihre Inhalte ins Netz stellt
- eine Datenarbeiterin, die Trainingsdaten für KI erstellt
Weiterhin gibt es verschiedene Resourcen:
- Daten
- Strom
- Wasser
- Kreativität
- Geld
Die Teilnehmenden verkörperten jeweils einen Akteur. Die Resourcen wurden als Papierkarten repräsentiert. Im Spiel werden Resourcen-Karten unter den Akteuren “ausgetauscht”. Dadurch entsteht ein Gespräch über die Herstellungsprozesse von KI und den Wert der Resourcen.
Ein Zine gestalten
Nach dem Rollenspiel erstellten die Teilnehmenden ihre eigenen Zines zu bestimmten Aspekten von KI, die sie als besonders relevant empfanden. Eine Teilnehmerin machte ein Zine zum Thema: “Wasserverbrauch + KI” und recherchierte dazu aktuelle Zahlen. Eine andere Teilnehmerin konzentrierte sich auf “das Internet” als einem grundlegenden technischen Konzept.

KI Verständnis altersgerecht vermitteln
Die Altersspanne der Teilnehmenden war divers und so fiel uns auf, dass die älteren bereits ein Verständnis der unsichtbaren Prozesse hinter KI und sogar eine kritische Haltung zu KI hatten – ihnen fiel das Rollenspiel leicht. Bei den jüngeren Teilnehmenden war das mentale Bild von KI noch nicht wirklich vorhanden und z.B. das Konzept eines KI-Chatbots noch relativ neu, oder es vermischte sich mit anderen Technologien wie z.B. der Google Suche.
Hier erkannten wir einen Bedarf an grundsätzlicher “Internet literacy” und reagierten spontan mit einer kollaborativen Visualisierung mit Klebestreifen und Karten auf dem Tisch: Was ist ein Server? Mit wem spricht er? Wo liegt eine Website? Mit wem spricht mein IPad? Die Teilnehmerinnen (und auch wir!) hatten sichtlich Spaß an dieser “wildwüchsigen” Form der Visualisierung.

Mir hat es sehr viel Freude bereitet mal einen Workshop mit Kindern und Jugendlichen zu machen. Beeindruckend fand ich ihre freie Art des Ausdrucks und das bereits vorhandene Wissen.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die vielen tollen anderen Workshops an diesem Hackday, wie z.B. eigene elektronische Musikinstrumente aus Pappe und Soundsamples basteln (Charlotte Heinrich), an dem ich selbst sehr gern teilgenommen hätte!
Links
- Jugend Hackt: https://jugendhackt.org/
- Hackday: https://jugendhackt.org/events/dresden/minta-hackday-freiberg/
- Bild credits: Lara Müller